

Ein linkes CMS...
... gibt es nicht!
Parteien sind hochkomplexe und sehr heterogene Gebilde – im Klartext:
viele Leute haben viele Meinungen und äußern viele Wünsche.
In einer solchen Struktur ein Corporate Design umzusetzen, ist schwer.
Im Internet bedienen sich alle Parteien
moderner Helfer: Content Management
Systeme (CMS) sind nicht nur auch für Laien relativ leicht zu erlernen,
sie schaffen auch durch die vorgegebenen Strukturen und Elemente einen
festen Gestaltungsrahmen, der sich von der Bundespartei bis zur Internetseite
eines Direktkandidatens durchzieht. Das LINKE CMS und das Grüne
CMS unter der Lupe.
Demnächst werden die mit dem Grünen CMS gehosteten Internetseiten an das neue Design von Bündnis 90/Die Grünen, das die Agentur Zum Goldenen Hirschen für die Bundestagswahl entwickelt hat, angepasst. Christian Müller, Projektleiter für das Grüne CMS bei der newthinking communications GmbH, wird die Designänderung zeitgleich für 400 Websites von Orts- und Kreisverbänden und grünen Abgeordneten und Kandidaten durchführen. Die Internetseite von Claudia Roth wird sich ebenso über Nacht verändern wie die von Steffi Lemke, den Belziger Grünen in Brandenburg und den bayrischen Grünen in Schweinfurt.
„Wir wollten den Parteigliederungen ein günstiges Angebot machen, bei dem das Corporate Design der Grünen umgesetzt wird“, erklärt Projektleiter Müller. Der Andrang sei groß: Jetzt im Superwahljahr „kommen wir mit den neuen Seiten kaum hinterher“. Eine erstaunliche Entwicklung. Denn gerade in der links-alternativen Szene wird Individualität stets als Wert zelebriert und Gleichförmigkeit abgelehnt. Jetzt scheint das relativ enge gestalterische Korsett des Typo-3-Derivats jedoch kaum noch jemanden zu stören.
Auch bei der Partei DIE LINKEN erfreut sich das hauseigene CMS, das LINKE CMS, stetig steigender Beliebtheit. Was die Entwickler und Programmierer der minuskel screen partner GmbH, die das CMS anbieten, bei aller Freude auch ein wenig verwundert. „Vor Jahren war es genau andersherum“, berichtet der Geschäftsführer, Kai Metzner: „Da wollten die Kreisverbände nicht alles von oben vorgegeben bekommen. Da war jede Seite anders – und das war gewollt.“ „Heute freuen sich die Leute, dass sie im gleichen Design wie der Bundesverband ihren Kreisverband präsentieren können“, ergänzt Gunter Mintzel, Programmierer des LINKEN CMS. Die Vorteile wie Wiedererkennbarkeit und leichte Bedienung und Aktualisierung scheinen für die Anwender deutlich im Vordergrund zu stehen.
Wieviele Orts- und Kreisverbände, Jugendorganisationen, Arbeitsgruppen, Bürgermeister und Landräte das LINKE CMS nutzen, können Gunter Mintzel und Kai Metzner nicht exakt sagen. Zwar hätten sie Verträge mit über 150 Parteigliederungen und Einzelpersonen. Doch seien die meisten der 16 Landesverbände ebenfalls Kunden von minuskel – und die können in Eigenregie ihre Websites an Untergliederungen weitervermieten, von denen „wir Programmierer im Einzelfall nichts wissen“, erklärt Gunter Mintzel.
PARTEIEN EMPFEHLEN DIENSTLEISTER
Das Prinzip zieht sich durch die Web-Angebote aller
Parteien: Die Bundes- oder Landespartei spricht einer
oder mehreren Web-Hosting-Firmen ihr Vertrauen
aus, entwickelt gemeinsam mit den Web-Experten
Tools und Online-Design und empfiehlt dann ihren
Mitgliederstrukturen, die Angebote der Partner
gegen Entgelt zu nutzen und direkt mit ihnen abzurechnen.
Die CDU empfiehlt unter anderem das CDU
Informationssystem HaiClass von SharknessMedia.
Die SPD verweist – neben professionell-kommerziellen
Lösungen – auf die WebSozis, einen Zusammenschluss
sozialdemokratischer Webmaster und Webmistresses,
die schon für 3,50 Euro einen Ortsverband
per „soziserver“ hosten und gerne ehrenamtlich die
Eigenentwicklung „WebSoziCMS“ installieren. Den
Gegenpol zu diesem Solidar-CMS bieten die Liberalen.
Der von der FDP empfohlene Dienstleister UniversumOnline
stellt übersichtlich und klar nur einen
CMS-Tarif bereit, der „FDP Homepage Professional“
heißt. Liberale Kreisverbände müssen zwischen 26,90
und 39,90 Euro im Monat berappen – abhängig von
Zahlungsmethode und -rhythmus.
Eine Site im Grünen CMS kostet in der Basis-Version
monatlich zwölf Euro. Für das LINKE CMS müssen die
Nutzer glatte zehn Euro im Monat bezahlen. Auf die
Frage, ob denn das Grüne CMS auch an sich „links“ sei,
meint Christian Müller, ihm sei der Begriff links „ehrlich
gesagt zu platt“. Seine Firma newthinking communications
fühle sich dem Open-Source-Gedanken
und den Bürgerrechten verpflichtet. Das mache aber
das pure technische Grüne CMS noch lange nicht zu
einem „linken“ Projekt. Gunter Mintzel von minuskel
schließt sich dem an: „Ich kann mir nicht vorstellen,
dass ein CMS an sich links sein soll.“ Lediglich beim
Umgang mit dem CMS sieht er Unterschiede. „Wir
regen die Nutzer vielleicht mehr als bei anderen
Parteien dazu an, sich gegenseitig zu helfen, Erfahrungen
auszutauschen und Lösungen zu finden – ohne
dass wir daran verdienen.“ Um diesen Austausch zu
fördern, steht allen Webmastern des LINKEN CMS ein
eigenes Supportforum zur Verfügung.
Toppen können das nur noch die WebSozis: Die 2000 Webmaster-Sozialdemokraten tummeln sich nicht nur im eigenen Forum, sie treffen sich auch real, „weil wir uns alle so gut verstehen“. Übrigens wurde das WebSoziCMS am 7. April diesen Jahres zum 2500. Mal installiert. Herzlichen Glückwunsch! bb