

Buchvorstellung
Wolfgang Gehrcke, Jutta von Freyberg, Harri Grünberg
Die deutsche Linke, der Zionismus und der Nahost-Konflikt.
Eine notwendige Debatte
PapyRossa Verlag Köln, 2009
ISBN: 978-3-89438-410-4
Preis 16,90 €
Die Autoren und die Autorin schreiben in der Einführung zu ihrem Buch über die Motive, dieses Buch zu schreiben: Natürlich sind es vor allem politische Motive: Hinzu kam das Bedürfnis, uns in vielen Fragen, die die Herausbildung und Geschichte des Nahost-Konfliktes betreffen, größere Klarheit zu verschaffen; es sind Fragen, die mit unserer politischen Sozialisation nach dem Ende des deutschen Faschismus und während des Kalten Krieges verbunden sind. Wir haben unser politisches Interesse in einer „bleiernen Zeit“ entwickelt, als in der Bundesrepublik das Schweigen über den deutschen Faschismus Staatsdoktrin war, der Antisemitismus als Tabu unter der Oberfläche weiter schwelte und der offene Antikommunismus individuelle Emanzipation und linke Alternativen verteufelte. Der Kalte Krieg hat aber auch den Dogmatismus der kommunistischen Parteien und vieler linker Bewegungen, denen wir angehörten, konserviert. Es galt, auch hierauf einen geschärften Blick zu richten. Wir wollten uns genauer ansehen, welche Haltung die Arbeiterbewegung, in deren Traditionen wir uns sehen, zum Antisemitismus in Theorie und Praxis eingenommen hat; ob und in welchem Umfang und zu welchen Zeiten Antisemitismus in den Arbeiterparteien selbst eine Rolle gespielt hat. Wir sind der Frage nachgegangen, wann und in welchem historischen Kontext der Zionismus entstanden ist und wie ihn die marxistischen Theoretiker gesehen haben. Welche Rolle hat der Holocaust für die Gründung des israelischen Staates gespielt? Welche Kräfte haben auf der internationalen Bühne mit welchen Interessen die Staatsgründung unterstützt? Wir haben die Funktionen des Antizionismus der sozialistischen Staaten und kommunistischen Parteien im Kalten Krieg und der Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus seit der Adenauer-Regierung untersucht. Wir haben festgestellt, dass die pauschale Ablehnung des Zionismus durch namhafte sozialdemokratische und kommunistische Theoretiker nicht gerechtfertigt war. Sie beruhte auf einem dogmatischen Verständnis der nationalen Frage, das durch die reale Entwicklung widerlegt wurde. Unsere Kritik richtet sich an die konkrete Politik, wie sie vom Mehrheitsflügel der zionistischen Bewegung bei der Erschaffung des Staates Israel gegenüber den Palästinensern angewandt wurde. Wichtig war uns auch zu versuchen, auf die vielen strittigen Fragen und Polemiken innerhalb der deutschen Linken, die die Begriffe der politisch-ökonomischen Analyse des Imperialismus und den Nahost-Konflikt betreffen, sachliche Antworten zu geben. Wir wollen, dass die Auseinandersetzungen und der Meinungsstreit um das Thema Israel und Palästina von Unterstellungen und Vorurteilen befreit werden, dass Kenntnis und Erkenntnis an die Stelle von Bekenntnissen tritt. |